Hier soll ich eine Biografie über mich schreiben. Zumindest wäre es gutes Futter für die Optimierung meiner Google-Recherche. Ob sie gut wird kann ich euch noch nicht sagen.

Nicht alles was bio ist, ist gut.
Würden wir ein paar Jahre zurückspulen – sagen wir auf mein 18. Lebensjahr – dann hätte ich das richtig ernst genommen. Ich hätte ein paar Wikipedia-Artikel durchstöbert und mich wichtiger gemacht, als ich war – als ich bin. Zu der Zeit hatte ich die meisten meiner Worte in Musik verpackt, im Glauben, dass ich eine große Karriere vor mir hätte.
Ich war gerade in meiner Lehrzeit. Mein Patriarchat von Vater hielt nicht viel von der Schreiberei und ich war so naiv und dachte, Kunststoffformgeber hätte etwas mit Kunst zu tun. So stand ich etwa vier Jahre an der Maschine. Die 100 Grad Celsius, die 40 Dezibel und das Polyethylen in meiner Nase konnten mich vom Schreiben nicht abhalten und so füllten sich meine Hosentaschen mit öligen Papierblättern, auf denen ich meine Gedichte niedergeschrieben hatte.
In den darauffolgenden Jahren ist einiges passiert, wie bei jedem anderen Menschen der lebt, auch so einiges passiert.
Der Patriarchat von Vater wurde aus der Familie geschmissen.
Mit Anfang 20 hatte ich einiges an Geld angespart und bin zusammen mit einer Hilfsorganisation nach Afrika, um die Welt zu retten. LOL. Zumindest hatte ich damals geglaubt, dass »Die Welt retten« so einfach wäre. In Wahrheit war ich ein Arbeiterkind mit viel zu viel Fantasie, das seiner Rolle nicht gerecht wurde. Nach einer kleinen Weltreise mit Aufenthalt in einem buddhistischen Kloster in Nepal ging es zurück nach Österreich.

In Wien hatte ich eine Diplom Ausbildung im Bereich Event-Marketing gemacht. Mein Plan war, bis zu meinem 30. Lebensjahr soviel Erfahrung wie nur möglich zu sammeln. Ich war der Überzeugung, dass ich dafür in Bewegung bleiben musste. Weiter gings nach Berlin. Dort hatte ich in meinem ersten Jahr als »Night Audit« in einem Hotel gearbeitet. Zwischen 21-0 Uhr gab es den Check-In. Nachdem Escort-Damen die Politiker und Geschäftsleute besucht hatten, reinigte ich die Rezeption und machte den Tagesabschluss. Wenn es vor der Tür nicht gerade eine Messerstecherei gab, schrieb ich an meinen Geschichten. Dieser Vibe blieb bisher unerreicht.Es folgte ein Job in einer Künstleragentur und eine gescheiterte Aufnahme an einer Filmhochschule, die früher eine Anlaufstelle für die Arbeiterklasse war. Aufgrund dieser Historie dachte ich mir, dass ich dort gut hineinpassen würde. Doch der leitende Drehbuch-Dozent, der meine Bewerbungsunterlagen aufgrund fehlender Deutschkenntnisse mit Google ins Deutsche übersetzte, war anderer Meinung.

»You can´t always get what you want«
Die Zahnräder waren geölt, mein 190 Euro teurer Lenovo »IRGENDWAS« lief noch wie am Schnürchen, und einen Podcast wie »Das Leben macht Gin« hatte es noch nicht gegeben.
Mein ganz persönlicher, etwas anderer Literaturpodcast.
Wir schreiben nun 2020. (Es ist Oktober. Gottseidank ist es bald vorbei)
Über 60.000 Seelen hören wöchentlich meine Geschichten. Vorwiegend junge Menschen aus meiner Generation, den 90er und 00er Jahren, die wieder Gefallen an der Schrift finden. Gerade schreibe ich an meinem dritten Buch. Auf meiner letzten Tour hatte ich laut einigen Veranstaltern mehr Publikum als manch berühmte Schreiberlinge – was für mich eine Genugtuung war, da diese verstaubte Verlagswelt mit ihren Schützlingen einer Sekte gleicht.

Nebenbei bin ich Werbetexter für Unternehmen, die vor ein paar Jahren noch meine Bewerbung in den Mülleimer geworfen hätten. Auch schreibe ich für verschiedene Agenturen und Produktionen. Ich bin happy und das Leben ist crazy. Genauso wie diese Biografie, die definitiv nicht vegan ist, sondern eher ein zähes Steak. Womöglich lese ich sie in zwei Jahren noch einmal durch und denken mir »Oida, Merlin!«, aber jetzt, in diesem Moment, schmeckt es gut – dieses zähe Stück Steak.